
In den Schweizer Alpen schlummert ein enormes Potenzial für Solarstrom, gerade im Winter, wenn das Mittelland unter der Nebeldecke liegt und in den Bergen die Sonne scheint. Herkömmliche Photovoltaik-Anlagen stossen dort jedoch an ihre Grenzen: Von Dezember bis in den Frühling bleibt der Schnee auf den Modulen liegen, und hohe Wind- und Schneelasten machen Anlagen komplex und teuer. Genau hier setzt die Solartanne an.
Die Solartanne wurde von der REG.LAS Schweiz AG erfunden und seit 2024 gemeinsam mit dem SPF Institut für Solartechnik der OST in einem Innosuisse-Projekt weiterentwickelt und getestet. Je zwei PV-Module werden in einem steilen Winkel von 60 bis 75 Grad auf einer Aluminium-Unterkonstruktion zu einer stabilen, pyramidenförmigen Form verbunden. Der Schnee rutscht einfach ab, und die Konstruktion bietet dem Wind kaum Angriffsfläche.
Auf dem Solardach des OST-Campus Rapperswil-Jona wurde die Solartanne mit eigens entwickelten Belastungs- und Alterungstests geprüft. Das Ergebnis überzeugt:
Möglich macht die Solartanne unser patentiertes Schraubkanalsystem SISO. Die Schraube greift direkt im Aluminium-Kanal, und zwar ohne Vorbohren. «Jede Schraube passt perfekt, Vorbohren ist nicht notwendig», erklärt Urs-Josef Grüter, Inhaber von REG.LAS. Die Verbindungstechnik macht die Solartanne besonders stabil und schnell montierbar. Weil die Tannen auf einem Schienensystem sitzen, lässt sich zudem der Modulwinkel mit wenig Aufwand anpassen. Pro Quadratmeter Dachfläche entsteht so rund das Anderthalbfache an Solarfläche.
Getestet wird die Solartanne unter realen Bedingungen im Unterengadin: auf einem Dach unterhalb von Ramosch sowie auf der Bergbahn-Mittelstation Motta Naluns ob Scuol auf 2142 m ü. M. Messgeräte erfassen dort laufend Temperatur, Wind und Feuchtigkeit, und die Daten fliessen direkt in die Weiterentwicklung ein. Unabhängig vom Forschungsprojekt betreibt REG.LAS zwei weitere Anlagen in Ftan und Savognin.
Gemäss Berechnungen der OST könnten Solartannen auf allen geeigneten Flachdächern über 1000 m ü. M. jährlich rund 500 Millionen Kilowattstunden Strom erzeugen. Das reicht für bis zu 170’000 Schweizer Haushalte. Mehr als ein Drittel davon fällt im Winterhalbjahr an, also genau dann, wenn Strom am knappsten ist. In Scuol beispielsweise wird das Solarpotenzial der Dächer heute erst zu rund zwei Prozent genutzt.
Die Solartanne ist bereits marktreif und wird bis zum Abschluss des Innosuisse-Projekts 2027 weiter optimiert. Die Zusammenarbeit mit dem SPF liefert unabhängige Daten und Fakten, die für Bauherren, Investoren und Planer entscheidend sind. Zusätzlich entsteht im Projekt ein Schnee- und Albedo-Rechner, der künftig öffentlich zugänglich sein soll. Er schätzt standortgenau ab, wie viel Ertrag durch Schneebedeckung verloren geht und wie viel durch die Reflexion des Schnees dazukommt.
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Quelle: OST – Ostschweizer Fachhochschule, Magazin OSTpunkt, 14.09.2026: «Solartannen liefern sauberen Winterstrom aus den Alpen»